Der Auszug der Juden aus Flieden

Was sollte diese Nacht?

aus der Predigt zur 75jährigen Gedenkfeier der Reichsprogromnacht in Flieden Es war keineswegs nur spontaner Volkszorn, der sich am 9. November entlud – etwa aus Rache für den von einem Juden ermordeten deutschen Politiker in Paris. Es war ein lange geplanter Angriff auf jüdische Menschen in Deutschland. Es war ein Test: Wie würde die Bevölkerung reagieren? Würde sie Widerstand leisten gegen das unverhohlen kriminelle Vorgehen, gegen das Aushebeln von Gesetz und Moral, gegen die Schändung der Gotteshäuser, gegen die Misshandlung und Inhaftierung von unschuldigen Nachbarn in aller Öffentlichkeit? Es war eine Einschüchterung: „...seht her, so geht es allen, die sich uns in den Weg stellen, egal ob Juden, Christen, Humanisten, Sozialisten. Denkt nicht, da ist jemand, der euch hilft...“ Es war eine moralische Falle für das Volk. Wer das Unrecht einmal akzeptiert hatte, wer zugesehen und sich nicht gewehrt hatte, der war hineingezogen in die Mittäterschaft, der war zum Komplizen geworden, moralisch geschwächt. Man begann, das Volk an das zu gewöhnen , was bald kommen sollte: die absolute Missachtung der Rechte des einzelnen, schließlich die „Endlösung der Judenfrage“. – Wer würde dann noch Widerstand wagen?
„Bruchlinien“-
Ein jüdisch-christliches Kunstwerk      in der Ev. Kirche / ehem. Synagoge Flieden     -
Unterdrückung jüdischen Lebens in Flieden
Der Auszug der Juden aus Flieden

Was sollte diese Nacht?

aus der Predigt zur 75jährigen Gedenkfeier der Reichsprogromnacht in Flieden Es war keineswegs nur spontaner Volkszorn, der sich am 9. November entlud – etwa aus Rache für den von einem Juden ermordeten deutschen Politiker in Paris. Es war ein lange geplanter Angriff auf jüdische Menschen in Deutschland. Es war ein Test: Wie würde die Bevölkerung reagieren? Würde sie Widerstand leisten gegen das unverhohlen kriminelle Vorgehen, gegen das Aushebeln von Gesetz und Moral, gegen die Schändung der Gotteshäuser, gegen die Misshandlung und Inhaftierung von unschuldigen Nachbarn in aller Öffentlichkeit? Es war eine Einschüchterung: „...seht her, so geht es allen, die sich uns in den Weg stellen, egal ob Juden, Christen, Humanisten, Sozialisten. Denkt nicht, da ist jemand, der euch hilft...“ Es war eine moralische Falle für das Volk. Wer das Unrecht einmal akzeptiert hatte, wer zugesehen und sich nicht gewehrt hatte, der war hineingezogen in die Mittäterschaft, der war zum Komplizen geworden, moralisch geschwächt. Man begann, das Volk an das zu gewöhnen , was bald kommen sollte: die absolute Missachtung der Rechte des einzelnen, schließlich die „Endlösung der Judenfrage“. – Wer würde dann noch Widerstand wagen?
„Bruchlinien“-
Ein jüdisch-christliches Kunstwerk      in der Ev. Kirche / ehem. Synagoge Flieden     -
Unterdrückung jüdischen Lebens in Flieden